Overknees – Die Faszination des Verruchten

Seit Julia Roberts in ihrer wohl berühmtesten Rolle als Vivian Ward in „Pretty Woman“ sie getragen hat, sind sie wieder absolut gefragt: Overknees. Diese Stiefel, deren Schaft weit über das Knie fast bis zur Mitte der Oberschenkel hinaufreicht, prägen ein ganz bestimmtes Berufsbild – das der Prostituierten.

Tatsächlich gehören Overknees zum Standardoutfit vieler käuflicher Damen, ob in festen Etablissements oder auch auf der Straße. Der Film trug dann sein Übriges dazu bei, dass sich die Assoziation Overknees-Prostitution fest in den Köpfen einbrannte. Dabei ist der Ursprung dieser Stiefel eigentlich ein ganz anderer: Overknee-Stiefel wurden in früheren Zeiten als Jagdstiefel getragen. Da sie weit über die Knie hinauf bis an die Oberschenkel reichten, bot der Schaft auch in sehr unwegsamem Gelände durch das Unterholz Schutz vor Verletzungen durch Zweige und Äste. Die heute als „Overknees“ bekannten Modestiefel mit dem verruchten Touch haben demnach eine ganz und gar nicht anrüchige Vergangenheit, sondern waren einfache Jagdstiefel. Warum die Damen des horizontalen Gewerbes diese Stiefel für sich entdeckt haben, mag Gegenstand von Spekulationen bleiben. Normalerweise sind es extrem hohe High Heels, die zum Berufsoutfit dieser Damen gehört. Warum dann Stiefel, die sogleich das wichtigste Kapital schöner Frauen verdeckt, ihre sexy Beine?

Vielleicht ist jene spekulative Geschichte denkbar, wonach Damen vom Straßenstrich bei jeder Jahreszeit und jeder Temperatur draußen stehen und ihrem Gewerbe nachkommen müssen. Die Vorstellung, dass sie das auch im Winter nur absolut spärlich bekleidet tun, ist da schon etwas unangenehm. Allerdings gehört der Minirock zur unverzichtbaren Dienstbekleidung. Da wird es leicht kalt an den Beinen – oder doch nicht? Halt, wenn frau brav ihren knappen Minirock trägt, ihre sexy Beine aber in Overknee-Stiefel steckt, dann kann sie ihre Beine wenigstens ein bisschen vor den Witterungen und Temperaturen schützen. Ob das tatsächlich der Grund ist, weshalb Overknees zum Renner im Milieu wurden, bleibt aber immer ein Geheimnis.

Es spielt allerdings auch gar keine Rolle, warum diese Stiefel zur Berufsbekleidung des horizontalen Gewerbes avancierten, vielleicht, weil die Damen auch auf Jagd gehen? Wer weiß. Viel interessanter ist hier die Frage, wie diese Stiefel die Modeszenen der Welt erobern konnten, wo sie doch diesen Hauch des Anrüchigen mit sich tragen. Das mag am gespaltenen Frauenbild liegen, das die Philosophie mit dem Kontrast zwischen Madonna und Hure diskutiert. So gab es bislang nur zwei Archetypen von Frauen: die Madonna, die Reine, die so Unberührte, dass selbst ihre Schwangerschaft an ein großes Welträtsel grenzt, auf der einen und die Hure auf der anderen Seite, die ihren Körper gegen Geld an Männer verkauft. Frauen weltweit lassen sich aber nicht in Kontrastgruppen einordnen. Sie sind so vielseitig, dass ihr Wesen und ihre Charaktere irgendwo dazwischen angesiedelt sind, also eine Mischung aus Madonna und Hure. Eine Frau kann treue Partnerin, liebevolle Mutter aber auch eine „verruchte Schlampe“ sein, die sich vom Leben nimmt, was sie will. Das alles kennzeichnet die moderne Frau und – frei nach Wowereit: „Das ist auch gut so.“

So macht es Frauen Spaß, einmal kurzfristig in die Rolle der Hure zu schlüpfen – sei es nur optisch. Overknees helfen dabei. Die Modewelt haben diese Kultstiefel jedenfalls im Sturm erobert. Tolle Overknees gibt es in allen gut sortierten Onlineshops für Schuhe und mit dem passenden Gutschein können Sie beim Shoppen sogar noch sparen.

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